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Bei Thomas Wagner liegt Karneval
im Blut
Text: Annika Reinhardt-Kopschinski
Am Aschermittwoch ist alles vorbei. Eben noch als Teufel, Hexe und Schnee- wittchen unterwegs, holt einen nun der ganz normale graue Alltagstrott wieder ein.
Karneval steht nicht nur für Köln, Rio oder Venedig. Auch in Halle und dem Saalekreis gibt es unzählige Vereine, deren Angehörige mit ihrem Einsatz für gelungene Veranstaltungen sorgen.
Thomas Wagner ist aktives Mitglied des "Schochwitzer Carnevals Club", der in diesem Jahr 50-jähriges Jubiläum feiert. Dieser Verein zählt ca. 70 Mitglieder, von denen die jüngsten noch die Schulbank drücken und die ältesten bereits Rentner sind.
Bei Wagners liegt Karneval im Blut. Der Vater macht bereits seit 1966 mit, die Mutter tanzte in den 1970er Jahren in der weiblichen Garde und der ältere Bruder ist im Elferrat aktiv.
Thomas ist einer von Zwölf der männlichen Garde, die sich ab September einmal wöchentlich treffen, um Ideen für die neue Session umzusetzen und um Auftritte zu proben. Ab Dezember treffen sich die Gardisten sogar dreimal die Woche, um an ihrem Programm zu feilen. Dabei herrschen klare Regeln. "Pünktlichkeit und gutes Benehmen sind oberstes Gebot", so der 31-Jährige, der in diesem Jahr zwölf Jahre mit dabei ist. Werden die Regeln nicht befolgt, muss zur "Strafe" ein halber Kasten Bier gesponsert werden. So dienen die Treffen auch zum gemütlichen Beisammensein.
Wagners Freundin bringt viel Verständnis für dessen Hobby auf. "Ich weiß, was ihm daran liegt. Karneval gehört zu ihm und das wusste ich", so die 26-Jährige. Der Angestellte im Öffentlichen Dienst, der während seiner Arbeit hauptsächlich mit Zahlen jongliert, kann sich mit Hilfe seines zeitintensiven Hobbys mit Darbietungen und Tänzen körperlich betätigen und somit vom Arbeitsalltag abschalten. Dabei wächst auch der eigene Anspruch. "Ich freue mich über jede gelungene Pointe, die vom Publikum mit Applaus belohnt wird." Natürlich vergisst auch er mal seinen Textteil. "Das Publikum weiß, dass wir nur Laien sind und keine Profis." Dabei muss der 1,92 m große Hüne auch mal in Frauenrollen, wie Ricky von TicTacToe, Cher und Cora schlüpfen. Das gehört zum Karneval einfach dazu. Wagners Paraderolle seit fünf Jahren ist die des Mister Spuck vom "Traumschiff". Da werden hautenge schwarze Leggings, rosa Schuhe und ein blauer enger Pullover übergestreift, Ohren angeklebt und die Augenbrauen mit Stift nach oben gezogen. Zusammen mit Käpt`n Kork und Schrotti strapaziert er dann die Lachmuskeln des Publikums ins Unermessliche.
Dass es nicht nur Karnevalfans gibt, weiß auch der Schochwitzer: "Natürlich sind die Geschmäcker verschieden. Wer absolut nichts mit Karneval anfangen kann, sollte allerdings zu Hause bleiben und den anderen nicht die Stimmung verderben."
Das gesamte Jahr sind Thomas und die Mitglieder der männlichen Garde des SCC auf der Suche nach aktuellen Witzen und Sketchen oder Themen, die sich für die Veranstaltungen verwerten lassen. Der 31-Jährige möchte sein Hobby gern noch etliche Jahre ausüben und irgendwann in den Elferrat eintreten.
Momentan laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Schließlich gibt es den Schochwitzer Karnevalsverein in diesem Jahr ein halbes Jahrhundert und das muss gebührend gefeiert und mit tollen Darbietungen untermalt werden.
Zum Rosenmontagsumzug in Halle am 4. Februar wird auch der SCC nicht fehlen.
(erschienen im Februar 2008 in AHA! Alles Halle)
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